Wie könnte man Madagaskar erwähnen, ohne von seinen Baobabs zu sprechen? Die Insel beherbergt sieben Arten, von denen sechs endemisch sind – das heißt, sie kommen nur hier vor – unter den acht weltweit bekannten Arten. Zum Vergleich: Das afrikanische Festland besitzt nur eine einzige. Die bekannteste Art ist Adansonia grandidieri, die man entlang der Baobab-Allee (Allée des Baobabs) in der Nähe von Morondava, in der Region Menabe im Westen des Landes, bewundern kann.
Einer Legende zufolge waren die Götter verärgert über die Majestät dieses Baumes, der den Himmel herauszufordern schien, und wollten ihn demütigen, indem sie ihn verkehrt herum pflanzten – mit den Wurzeln im Himmel und dem Kopf im Boden. Gewaltig und oft über 15 Meter hoch sowie mehrere Jahrhunderte alt, beherrschen die Baobabs buchstäblich die Landschaften West-Madagaskars. Ihre Rinde wird zum Bau von Hütten verwendet oder dient als Regenwasserspeicher. Wie so oft in Madagaskar sind diese heiligen Bäume mit Fady (kulturellen Verboten oder Tabus) verbunden.
Die madagassischen Baobabs sind beeindruckend: Sie können bis zu 30 Meter hoch und 5 Meter im Durchmesser werden. Lokal nennt man sie Renala, was auf Madagassisch „Mutter des Waldes“ bedeutet. Einige Exemplare sollen über 800 Jahre alt sein, manche Schätzungen sprechen sogar von bis zu 2.800 Jahren. Ihre markante Silhouette mit dem massiven Stamm und den wurzelartigen Ästen inspiriert viele lokale Legenden und faszinierte bereits die ersten arabischen Reisenden.
Die Baobab-Allee ist heute eine bedeutende Touristenattraktion. Sie besteht aus einem Dutzend bis etwa zwanzig dieser Riesen, die eine Piste zwischen Morondava und Belon’i Tsiribihina säumen. Seit 2007 steht das Gebiet unter Schutz, und 2015 wurde es aufgrund seines ökologischen und kulturellen Wertes zum Nationaldenkmal erklärt. Diese majestätischen Bäume sind die letzten Zeugen tropischer Wälder, die heute weitgehend verschwunden sind. Die Abholzung hat die Baobabs isoliert in einer inzwischen ausgetrockneten Landschaft zurückgelassen: Nur noch 10 % der ursprünglichen Wälder Madagaskars sind erhalten geblieben.
Doch heute sind die Baobabs bedroht. Abholzung, Buschbrände und intensive Landwirtschaft üben starken Druck auf sie aus. Es gibt jedoch Initiativen zum Schutz und zur Förderung des Ökotourismus, die auch zur Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung beitragen.
In der Nähe zieht der berühmte „Liebes-Baobab“, bestehend aus zwei ineinander verschlungenen Stämmen, ebenfalls viele Neugierige an. Er befindet sich etwa sieben Kilometer von der Baobab-Allee entfernt und ist mit einer berührenden Legende über zwei verliebte Jugendliche aus verfeindeten Clans verbunden.
Als Symbol Madagaskars verkörpern die Baobabs zugleich einen natürlichen Schatz, ein kulturelles Erbe und eine lebenswichtige Herausforderung für die kommenden Generationen.




